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Akua

Akua | 19 | Studentin aus Los Angeles

Auf NEON.de:
"Meine Schwestern und ich haben fast alle Wochentage als Namen"


Wie nennst du deinen Stil?
Afro-Punk oder auch Afro-Grunge. Ich liebe Kleider aus traditionellen afrikanischen Stoffen, dazu trage ich Doc Martens oder alte Secondhand-Militärschuhe. Mein Outfit hat immer einen groben sowie auch einen femininen Touch.

Welche Drogen nimmst du am liebsten mit welcher Musik?
Mein Vater ist Musiker und wuchs in Jamaica auf. Die Leute glauben oft, ich würde einen Joint so gern mögen wie er, doch das ist nicht mein Ding. Den Musikgeschmack jedoch habe ich zum Teil von ihm geerbt: Ich höre gern The Doors und viel Blues aus den Sechzigern und Siebzigern. Ich mag auch düsteren Rap und Hip Hop und gerade gefällt mir Afrokubanischer Jazz sehr. Wenn ich einen Joint rauche, dann definitiv zu dieser Musik.

Was hängt da an deiner Stirn?
Tigers Eye – ein Edelstein, der hauptsächlich in Namibia und in Teilen Südafrikas gewonnen und für Schmuckstücke verwendet wird.

Wofür steht das?
Für nichts. Ist nur Dekoration.

Was bedeutet dein Name?
Mittwoch. Es ist ein traditioneller ghanaischer Name für Mädchen. Eine meiner Halbschwestern trägt den ghanaischen Namen Abena. Das bedeutet Dienstag.

Warum haben deine Eltern dich nach dem ghanaischen Wort für einen Wochentag benannt?
Die sieben Wochentage sind häufige Namen in der ghanaischen Kultur.

Deine Eltern kommen ursprünglich aus Ghana?
Nö. Meine Mutter kommt aus dem Süden der USA, und mein Vater wuchs in der Karibik auf, doch seine Vorfahren kamen aus Ghana. Meine Eltern sind sehr an den Traditionen und der Geschichte ihrer Vorfahren interessiert und legen großen Wert darauf, alles Wissen an uns weiterzugeben. Mein Vater hat allen seinen 13 Kindern afrikanisch-stämmige Namen gegeben. Nun heißen fast alle meine Schwestern nach Wochentagen. Unsere Eltern und Großeltern haben uns Kinder in afrikanischer Spiritualität und Geschichte unterrichtet, damit wir unsere Wurzel kennen und verstehen.

Wie wächst es sich mit zwölf Geschwistern auf?
Weiß ich gar nicht. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich klein war. Ich bin mit meiner Mutter und meinem Bruder aufgewachsen. Meine elf Halbgeschwister stammen alle von anderen Müttern und sind überall über die USA und die Karibik verteilt.

Wo hast du deine Kindheit verbracht?
In einem kleinen Haus mitten in Los Angeles, im Schatten des Flughafens in Inglewood, nicht weit vom Meer.

Dort, wo der großartige Film Dope aus dem letzten Jahr spielt?
Ja, da ungefähr. Es ist in manchen Teilen noch eine gefährliche Gegend.

Hast du eine gute Bindung zu deinen Eltern?
Ja. Vor allem zu meiner Mutter. Sie ist meine beste Freundin.

Wie ist man „Beste Freundin“ mit seiner Mutter?
Das ist bei uns einfach so. Meine Mutter ist bis heute die beste Freundin ihrer Mutter, die als Baby adoptiert wurde und wiederum die beste Freundin ihrer Adoptivmutter war, also meiner Urgroßmutter. Die gute Mutter-Tochter-Bindung wird bei uns von Generation zu Generation vererbt, heißt es. Ich kenne es nicht anders. Doch ich weiß, dass viele meiner Freundinnen unter schwierigen Verhältnissen zu ihren Müttern leiden.

Dass Eltern und Kinder während der Pubertät harte Kämpfe austragen, scheint immer seltener zu werden. Wollen Millennials nicht rebellieren? Habt ihr ein Geheimnis?
Wir Millennials? Keine Ahnung. Ich hatte auch keine rebellische Pubertätszeit. Meine Mutter und ich waren uns schon immer nah. Es gibt kein Geheimnis – und wenn, dann ist es banal: Meine Mutter ist eine sehr kluge, ruhige und geduldige Person, die den besten Rat geben kann. Wir können gut zusammen an unseren T-Shirt-Designs arbeiten und auch sonst über alles reden.

Auch über Sex- und Beziehungsprobleme?
Ja! Meine Mutter weiß über alles detailliert Bescheid, auch wenn ich mal etwas verheimlichen will, rutscht es mir spätestens nach ein paar Tagen doch heraus. Ich erzähle es lieber meiner Mutter, als irgendeiner anderen Person.

Bei anderen fällt es dir schwerer, dich zu öffnen?
Leider. Doch das versuche ich gerade zu ändern.

Sagt deine Mutter häufig, in deinem Alter war ich ganz anders?
Sie wuchs mit einem liebevollen, aber sehr konservativen Vater auf. Er war beim Militär und auch zuhause streng – gutes Benehmen und gute Bildung waren ihm bei seinen Kindern das Wichtigste. Deswegen sagt meine Mutter manchmal, meine Generation käme zu häufig mit großer Klappe durch. In der Eigenschaft, immer ein bisschen anders und das schwarze Schaaf zu sein, sieht sie durchaus Gemeinsamkeiten zwischen uns.

Was bewunderst du an ihr?
Als Strafverteidigerin war sie ihr Leben lang enormem Stress ausgesetzt. Wenn sie nach einem langen Tag nach Hause kam, war sie trotzdem aufmerksam und geduldig. Sie hat mich und meinen Bruder ganz alleine ohne Hilfe erzogen.

Was willst du anders machen als sie?
Da meine Mutter immer selbstständig war, haben wir je nach Auftragslage gute wie schlechte finanzielle Phasen erlebt. In schlechten Zeiten war ich häufiger die Stabilere von uns beiden und die Kind-Eltern-Rolle kehrte sich um. Ich musste für sie da sein, denn sie hatte sonst niemand anderen. Ich würde gern elementare Sorgen besser von meinen Kindern fernhalten, um sie nicht zu belasten.

Was hat sie dir als Frau auf den Weg nach New York mitgegeben?
Du schaffst alles, was du dir vornimmst. Das war die Mentalität, mit der sie großgeworden ist und sie hat versucht, dieses Motto an mich und meinen Bruder weiterzugegeben.

Was bedeutet Stolz für dich?
Selbstbewusst zu sein.

August 2016, New York City