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Nika

Nika | 22 | Fotografin aus Brooklyn

Auf L'OFFICIEL ONLINE:
Kurz mal über – Eine Jugend in New York


Magst du deine Mutter?
Ja.

Was ist wichtiger: Interessiert sein oder interessant sein?
Interessant sein.

Hast du jemals einen Orgasmus gefaked?
Habe ich jemals einen Orgasmus gefaked? Klar! Wo gibt es die Frau, die das noch nie getan hat? Die will ich kennenlernen.

Welches ist das Geschlechter-Stereotyp, das wir hinter uns lassen sollten?
Dass Frauen die sensitiven Wesen und Männer die starken Alleskönner sind. Transsexuelle Menschen ändern diese Sichtweise gerade enorm.

Kannst du gut nein sagen?
Nein. Ist eher schwer für mich.

Wo lebst du?
In der Lower East Side. Gerade zum ersten Mal alleine, ohne Mitbewohner. Alleine Leben ist schon beängstigend.

Das Beste an New York?
Akzeptiert zu werden und weit von zuhause weg zu sein.

Das Schlimmste?
Es gibt viel Böses in dieser Stadt. Die große Drogenszene, die vielen schlechten Leute. Der Augenblick, an dem du ausgeraubt wirst und man dir die Kehle zudrückt: Du glaubst, du musst ersticken. Das war schlimm für mich. Seitdem trage ich Pfefferspray an meinem Schlüsselbund.

Wie heißt die Person, die du am liebsten umbringen würdest?
Anna. Meine alte Mitbewohnerin. Vor ein paar Wochen hat sie bei meiner Mutter angerufen und ihr mein größtes Geheimnis verraten.

Nämlich?
Das kann ich in einem Interview nicht sagen.

Hattest du Vorsätze für 2016, die du bereits gebrochen hast?
Ja. Viele.

Welche?
Meine Mutter öfter anrufen. Wieder ein besseres Verhältnis zu ihr haben. Stärker auf einen gesünderen Lebenswandel achten.

Dein erster Gedanke beim Aufwachen?
Ich hoffe, mein Freund ist ok.

Warum sollte er nicht ok sein?
Er hat ein großes Problem über das ich nicht reden kann und ich bin co-abhängig.

Was bedeutet co-abhängig?
Man endet immer mit Männern, um die man sich kümmern muss.

Wie lange seid ihr zusammen?
Vielleicht ein Jahr. So emotional und anstrengend die Beziehung ist, er ist einfach meine große Liebe. Ich habe immer schon Inspiration in der Dysfunktionalität gefunden. Das ist nicht besonders gut für mich, aber sehr gut für meine Arbeit. Seitdem ich mit ihm bin, sind meine Fotos besser als je zuvor.

Was glaubst du, woher deine Vorliebe kommt?
Meine Mutter hat mich elf Jahre lang zuhause unterrichtet. Das ist in Amerika möglich, ohne dass ein Lehrer anwesend sein muss. Es gab nur mich, sie und meinen oft kranken Vater. Er starb, als ich 15 war. Seitdem ich denken kann, pflegte meine Mutter meinen Vater und ich kümmerte mich um sie. Als ich mit 17 allein in New York ankam, war das das beste Gefühl, was ich bis dahin kannte.

Februar 2016, New York City